Glasfaser-Ausbau: EU-Plan zur Kupfer-Abschaltung in der Kritik
Ignorierte Eigentumsrechte, fehlende Entschädigungen und wütende Netzbetreiber: Die EU fordert die radikale Abschaltung aller Kupfernetze bis 2035. Anstatt den Glasfaserausbau zu fördern, provoziert Brüssel damit nun einen harten Rechtsstreit.
Große Netzbetreiber lehnen das Vorhaben ab. Der Branchenverband Connect Europe, dem unter anderem Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica angehören, hat dazu ein Rechtsgutachten vorgelegt. Der Europarechtler Roberto Mastroianni kommt darin zu dem Schluss, dass die Pläne tief in die Rechte der Mitgliedstaaten eingriffen. Unterschiedliche Infrastrukturen stellten nach geltender Rechtsprechung kein unzulässiges Handelshemmnis dar.
Ein erzwungenes Ende greife in die unternehmerische Freiheit ein. Da Brüssel keine Entschädigungen vorsehe, komme das Vorhaben einer indirekten Enteignung gleich.
Zudem sei zweifelhaft, ob die Maßnahme in der Praxis wirke. Verbraucher wechselten nicht automatisch auf eine neue Technologie, nur weil die alte wegfalle. Oft spielten die höheren Kosten für reine Glasfaseranschlüsse eine entscheidende Rolle.
Experten warnen außerdem, dass Kunden bei einer Zwangsabschaltung auf Alternativen wie Kabel, Mobilfunk oder Satellit ausweichen könnten. In vielen ländlichen Regionen dürfte bis 2035 zudem noch kein Glasfaseranschluss verfügbar sein. Dort könnte die Abschaltung der Kupferinfrastruktur die Internetversorgung für Haushalte und Unternehmen verschlechtern. Infografik: Welche Breitband-Provider in Deutschland beliebt sind
Die Mitglieder von Connect Europe fordern eine marktgetriebene Transformation ohne starre Fristen. Ein staatlich verordneter Technologiestopp verschlechtere das Investitionsklima im Telekommunikationssektor erheblich. Sollte die Kommission den Entwurf des Digital Networks Act nicht grundlegend überarbeiten, gilt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof als wahrscheinlich.
Was haltet ihr von der EU-Abschaltung der Kupfernetze? Braucht es staatlichen Druck für den Glasfaserausbau oder soll der Markt das regeln? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!
Siehe auch:
Kupfer-Aus bis 2035 in der Kritik
Die Europäische Kommission will den Ausbau von Glasfaserverbindungen beschleunigen. Über den Entwurf des Digital Networks Act sollen herkömmliche Kupfernetze in den Mitgliedstaaten bis 2035 schrittweise abgeschaltet werden. Die Kommission begründet das mit der Harmonisierung des europäischen Binnenmarkts und der Stärkung der digitalen Infrastruktur.Große Netzbetreiber lehnen das Vorhaben ab. Der Branchenverband Connect Europe, dem unter anderem Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica angehören, hat dazu ein Rechtsgutachten vorgelegt. Der Europarechtler Roberto Mastroianni kommt darin zu dem Schluss, dass die Pläne tief in die Rechte der Mitgliedstaaten eingriffen. Unterschiedliche Infrastrukturen stellten nach geltender Rechtsprechung kein unzulässiges Handelshemmnis dar.
Vorwurf der indirekten Enteignung
Wie heise berichtet, steht im Gutachten auch der Schutz des privaten Eigentums im Fokus. Die Kupferkabel und die Infrastruktur für Fiber-to-the-Curb gehören den Netzbetreibern. Diese als Vectoring bekannte Technik nutzt Glasfaser bis zum Verteilerkasten und Kupferleitungen für die letzten Meter bis ins Haus.Ein erzwungenes Ende greife in die unternehmerische Freiheit ein. Da Brüssel keine Entschädigungen vorsehe, komme das Vorhaben einer indirekten Enteignung gleich.
Zudem sei zweifelhaft, ob die Maßnahme in der Praxis wirke. Verbraucher wechselten nicht automatisch auf eine neue Technologie, nur weil die alte wegfalle. Oft spielten die höheren Kosten für reine Glasfaseranschlüsse eine entscheidende Rolle.
Experten warnen außerdem, dass Kunden bei einer Zwangsabschaltung auf Alternativen wie Kabel, Mobilfunk oder Satellit ausweichen könnten. In vielen ländlichen Regionen dürfte bis 2035 zudem noch kein Glasfaseranschluss verfügbar sein. Dort könnte die Abschaltung der Kupferinfrastruktur die Internetversorgung für Haushalte und Unternehmen verschlechtern. Infografik: Welche Breitband-Provider in Deutschland beliebt sind
Gang vor Gericht droht
Das Gutachten wirft der Kommission vor, unter dem Deckmantel der Binnenmarktharmonisierung Industriepolitik zu betreiben. Für direkte Markteingriffe habe die Europäische Union jedoch nur unterstützende Kompetenzen. Der Ausschuss für Regulierungskontrolle bemängele zudem unzuverlässige Prognosen im Entwurf. Nationale Behörden verfügten nach dem bestehenden Telekommunikationskodex bereits über ausreichende Instrumente für den Technologiewechsel.Die Mitglieder von Connect Europe fordern eine marktgetriebene Transformation ohne starre Fristen. Ein staatlich verordneter Technologiestopp verschlechtere das Investitionsklima im Telekommunikationssektor erheblich. Sollte die Kommission den Entwurf des Digital Networks Act nicht grundlegend überarbeiten, gilt eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof als wahrscheinlich.
Was haltet ihr von der EU-Abschaltung der Kupfernetze? Braucht es staatlichen Druck für den Glasfaserausbau oder soll der Markt das regeln? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!
Was plant die EU mit dem Kupfernetz?
Die EU-Kommission möchte mit dem Entwurf des Digital Networks Act (DNA) den Glasfaserausbau beschleunigen. Dafür sollen die traditionellen Kupfernetze in der Europäischen Union schrittweise und vollständig abgeschaltet werden.
Das Ziel sei es angeblich, den zersplitterten Binnenmarkt zu harmonisieren und die digitale Infrastruktur länderübergreifend voranzutreiben. Für IT-Profis bedeutet ein flächendeckendes Glasfasernetz langfristig stabilere VPN-Verbindungen und schnellere Cloud-Zugriffe.
Das Ziel sei es angeblich, den zersplitterten Binnenmarkt zu harmonisieren und die digitale Infrastruktur länderübergreifend voranzutreiben. Für IT-Profis bedeutet ein flächendeckendes Glasfasernetz langfristig stabilere VPN-Verbindungen und schnellere Cloud-Zugriffe.
Wann wird das Kupfernetz abgeschaltet?
Laut den aktuellen Plänen der EU-Kommission soll das Kupfernetz bis zum Jahr 2035 schrittweise weichen. Dies betrifft auch Infrastrukturen wie VDSL, die auf Glasfaser bis zum Verteilerkasten (FTTC) basieren, aber auf den letzten Metern Kupfer nutzen.
Für die IT-Planung in Unternehmen heißt das: Langfristige Infrastrukturprojekte sollten bereits jetzt auf reine Glasfaseranschlüsse (FTTH) ausgelegt werden. Investitionen in alte Kupfer-Technologien könnten sich in den nächsten Jahren als Sackgasse erweisen.
Für die IT-Planung in Unternehmen heißt das: Langfristige Infrastrukturprojekte sollten bereits jetzt auf reine Glasfaseranschlüsse (FTTH) ausgelegt werden. Investitionen in alte Kupfer-Technologien könnten sich in den nächsten Jahren als Sackgasse erweisen.
Bedeutet das Zwang zum Wechsel auf Glasfaser?
Ein häufiges Missverständnis ist, dass nach einer Kupfer-Abschaltung automatisch ein Glasfaseranschluss bereitsteht. Laut einem Rechtsgutachten sei dies jedoch nicht zwingend gegeben. Nutzer könnten nicht einfach zum Umstieg auf die oft teurere Glasfaser gezwungen werden.
Stattdessen würden viele Anwender womöglich auf Alternativen wie TV-Kabelnetze, 5G-Mobilfunk oder Satelliten-Internet ausweichen. Für IT-Admins bedeutet dies, dass Fallback-Konzepte für Firmennetzwerke künftig breiter gefächert sein müssen.
Stattdessen würden viele Anwender womöglich auf Alternativen wie TV-Kabelnetze, 5G-Mobilfunk oder Satelliten-Internet ausweichen. Für IT-Admins bedeutet dies, dass Fallback-Konzepte für Firmennetzwerke künftig breiter gefächert sein müssen.
Führt das Aus zu "schlechterem" Internet?
In gut ausgebauten städtischen Gebieten wird sich die Anbindung eher verbessern. Es wird jedoch befürchtet, dass in ländlichen Regionen, in denen bis 2035 noch keine Glasfaser liegt, die digitale Versorgung durch eine Zwangsabschaltung sogar schlechter werden könnte.
Wenn das Kupfernetz abgeschaltet wird, ohne dass ein adäquater Ersatz existiert, stehen betroffene Standorte plötzlich ohne kabelgebundenes Internet da. IT-Verantwortliche mit Niederlassungen im ländlichen Raum sollten diese Entwicklung daher genau im Auge behalten.
Wenn das Kupfernetz abgeschaltet wird, ohne dass ein adäquater Ersatz existiert, stehen betroffene Standorte plötzlich ohne kabelgebundenes Internet da. IT-Verantwortliche mit Niederlassungen im ländlichen Raum sollten diese Entwicklung daher genau im Auge behalten.
Warum wehren sich die Provider?
Der Branchenverband Connect Europe (u. a. Telekom, Vodafone, Telefónica) hat ein Rechtsgutachten vorgelegt, das die EU-Pläne scharf kritisiert. Man bekenne sich zwar zum Glasfaserausbau, fordere dafür aber weniger Bürokratie und eine marktgetriebene Transformation statt staatlicher Eingriffe.
Dem Gutachten zufolge überschreite die EU-Kommission ihre Kompetenzen. Sie betreibe direkte Industriepolitik, anstatt den Binnenmarkt zu harmonisieren. Zudem weise der Gesetzentwurf handwerkliche Mängel auf und lasse eine klare Begründung für die Zwangsabschaltung vermissen.
Dem Gutachten zufolge überschreite die EU-Kommission ihre Kompetenzen. Sie betreibe direkte Industriepolitik, anstatt den Binnenmarkt zu harmonisieren. Zudem weise der Gesetzentwurf handwerkliche Mängel auf und lasse eine klare Begründung für die Zwangsabschaltung vermissen.
Droht den Providern eine Enteignung?
Die Kupfernetze befinden sich im Privateigentum der Netzbetreiber und stellen einen erheblichen wirtschaftlichen Vermögenswert dar. Laut dem Ex-Richter Roberto Mastroianni greife das verordnete Aus tief in die EU-Grundrechtecharta ein, welche privates Eigentum schützt.
Da die EU-Kommission keinen Entschädigungsmechanismus für die stillgelegten Netze vorsehe, komme die Abschaltpflicht angeblich einer indirekten Enteignung gleich. Dies könnte weitreichende juristische Folgen für den Schutz privater Infrastrukturen in Europa haben.
Da die EU-Kommission keinen Entschädigungsmechanismus für die stillgelegten Netze vorsehe, komme die Abschaltpflicht angeblich einer indirekten Enteignung gleich. Dies könnte weitreichende juristische Folgen für den Schutz privater Infrastrukturen in Europa haben.
Zusammenfassung
- Die EU-Kommission plant die Abschaltung der Kupfernetze bis zum Jahr 2035
- Große Netzbetreiber wehren sich rechtlich gegen das geplante Kupfer-Aus
- Ein Gutachten sieht in den Brüsseler Plänen eine indirekte Enteignung
- In ländlichen Regionen droht durch die Abschaltung eine Unterversorgung
- Kritikern zufolge betreibt die EU-Kommission damit Industriepolitik
- Höhere Preise für reine Glasfaser halten viele Kunden von einem Wechsel ab
- Bei fehlender Überarbeitung droht eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof
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